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Fotografie & Programm

Aus der Zeit der analogen Fotografie stammt dieser Beitrag aus der Reihe »Neue Fotografie«. Es geht um die »Generative Fotografie«, die sich zeitgleich mit der Computerkunst in den 1960er Jahren entwickelte. In der Evolution vom Fotoapparat zum Computer stehen diese generativen Fotoarbeiten für einen Evolutionssprung, der Fotoapparat wird hier nicht länger als bildwiedergebendes, sondern als bilderzeugendes Gerät genutzt.

1968 prägte der Fotograf Gottfried Jäger den Begriff »Generative Fotografie«. Es war der Titel einer Ausstellung im Kunsthaus Bielefeld, die Arbeiten von Jäger und seinen Mitstreitern Kilian Breier, Pierre Cordier und Hein Gravenhorst zeigte.
Herbert W. Franke, der sich nicht nur als Science Fiction Autor einen Namen gemacht hatte, sondern selbst Computerkunst und experimentelle Fotografie sammelte und schuf, beschreibt die Generative Fotografie als Vorläufer der Computerkunst. Zusammen mit Gottfried Jäger veröffentlichte er 1973 das Buch »Apparative Kunst«, das die beiden Kunstrichtungen auf einer Linie »vom Kaleidoskop zum Computer« einordnet.

»Fotografie & Programm« zeigt einige frühe Veröffentlichungen zum Thema »Generative Fotografie«, die teils von Gottfried Jäger im Eigenverlag publiziert wurden.



 Gottfried Jäger    

Beeinflusst von Max Bense und dessen Buch »Generative Ästhetik«, entwickelt Jäger seit den späten 1960er Jahren eine Reihe von (seinerzeit analogen) Programmen, mittels derer er Lichtbilder erzeugt. Zur generativen bzw. konkreten Fotografie siehe auch den ausführlichen Wikipedia-Beitrag Konkrete Fotografie.

Gottfried Jäger zählt zusammen mit Hein Gravenhorst zu den Protagonisten der Generativen Fotografie. Jäger ist zudem Verfasser zahlreicher theoretischer Schriften und Bücher zum Thema Fotografie.

Im Jahr 2014 wurde Gottfried Jäger, der seit vielen Jahren als Professor an der FH Bielefeld lehrt, mit dem Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie ausgezeichnet.


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 Generative Fotografie    

Im Eigenverlag veröffentlichte Gottfried Jäger 1969 die Mappe »Generative Fotografie« mit insgesamt 16 Bildtafeln. Acht Tafeln zeigen seine Lochblendenstrukturen, acht weitere zeigen generative Arbeiten von Hein Gravenhorst. Den begleitenden Text »Grundlagen einer kybernetischen Theorie der Kunst« verfasste Herbert W. Franke.


Generative Fotografie 0
Gottfried Jäger: Generative Fotografie
Mappe mit 16 Bildtafeln und vier Textblätter
Eigenverlag, Bielefeld, 1969
Offset-Lithographien, Tafeln je 29,8 x 21,2 cm
Bezeichnung jeweils im Druck
Auflage: k. A.
nicht nummeriert, nicht signiert
Generiert: 1967 - 1969



Inhalt:
8 Bildtafeln Gottfried Jäger, eine davon farbig
8 Bildtafeln Hein Gravenhorst, eine davon farbig
Textseiten:
Herbert W. Franke: Grundlagen einer kybernetischen Theorie der Kunst
Gottfried Jäger: Lochblendenstrukturen
Hein Gravenhorst: Fotomechanische Transformationen
Textblatt mit Künstler-Biografien



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Zwei Tafeln von Gottfried Jäger aus der Mappe »Generative Fotografie«
Abbildungen derzeit nicht verfügbar - siehe: Gottfried Jäger






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Zwei Tafeln von Hein Gravenhorst aus der Mappe »Generative Fotografie«.







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 Lochblendenstrukturen    

Das Programm dieser 1967 entstandenen »Lochblendenstruktur« ist zugleich der Titel: »3.8.14.2.4.3«. Die angewandte Technik beruht auf dem Prinzip der Camera obscura in Verbindung mit einem Multipleobjektiv, d. h. einer Vielzahl von Lochblenden. Die fotografische Apparatur wird, ausgehend von festgelegten Parametern wie Belichtungszeit, Form oder Größe der Lochblenden verändert bzw. verschoben, was je nach Einstellung unterschiedliche Lochblendenstrukturen hervorbringt. Jägers Lochblendenstrukturen wurden unter anderem im Rahmen der Ausstellung »tendencije 4« 1970 in Zagreb gezeigt und sind auch Teil der DZ Bank Kunstsammlung.


Lochblendenstruktur 0
Abbildung derzeit nicht verfügbar - siehe: Gottfried Jäger




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 Visuelle Systeme      

1979/80 erarbeitete Jäger ein »Schiebungsprogramm«. Zu dieser Werkgruppe innerhalb seiner Generativen Fotografie entstand ein broschiertes Künstlerbuch, »Visuelle Systeme. Band 1.«, das eine Beschreibung des Programms enthält.


Visuelle Systeme 0
Gottfried Jäger: Visuelle Systeme. Bd. 1.
Künstlerbuch zur Werkphase »Schiebungsprogramm«
Eigenverlag, Bielefeld, 1980
Auflage: 50
nummeriert, signiert
Generiert: 1979/80





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 Zu den Personen

Gottfried Jäger
Geb. 1937 in Burg (bei Magdeburg), lebt in Bielefeld.
Fotografenlehre, dann Studium der Fotografie in Köln, seit 1967 eigenes Atelier für Foto- und Grafik-Design, seit 1973 Professor an der FH Bielefeld.
Siehe auch die Website: www.gottfried-jaeger.de

Hein Gravenhorst
Geb. 1937 in Berlin, studierte Fotografie, Grafik und Filmtechnik in Berlin. Ab 1970 Dozent an der FH Kiel. Lebt in Berlin.


Zahlreiche Gruppen- und Einzelausstellungen, unter anderem:
»Generative Fotographie« Kunsthaus Bielefeld, 1968
»tendencije 4« Zagreb, 1970
»Gottfried Jäger: Fotografie der Fotografie« Galerie Photo Edition, Berlin 2014

Literaturhinweise, u. a.:
Apparative Kunst. Herbert W. Franke und Gottfried Jäger (1973)
Generative Fotografie. Theoretische Grundlegung, Kompendium und Beispiele einer fotografischen Bildgestaltung. Gottfried Jäger, Karl Martin Holzhäuser (1975)
Concrete Photography / Konkrete Fotografie. Gottfried Jäger, Rolf H. Krauss, Beate Reese (2005)
A Little-Known Story about a Movement, a Magazine and the Computer´s Arrival in Art: New Tendencies and Bit International. Hrsg. Margit Rosen (2011)
siehe auch Links & Literatur

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