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Pionierarbeit: Frieder Nake

Diese Seite ist dem Computerkunst-Pionier Frieder Nake gewidmet.


Frieder Nake (*1938) gehörte in den 1960er Jahren zu dem experimentellen Kreis um Max Bense, der das theoretische Fundament für die frühen künstlerischen Computerarbeiten wesentlich prägte. Seine erste Ausstellung hatte Frieder Nake zusammen mit Georg Nees im November 1965 in der Galerie Wendelin Niedlich, Stuttgart. hier).

»Pionierarbeit: Frieder Nake« zeigt unter anderem die vier Blätter der Mappe »Die präzisen Vergnügen«, die 2005 entstand und deren Motive auf Original-Computergrafiken von Frieder Nake aus den Jahren 1965 und 1969 beruhen. Jedem Blatt sind vier Screenshots von Projektionen interaktiver Installationen zugefügt worden, welche Nakes grafische Arbeiten in interaktiv veränderlichen Darstellungen umsetzten.

 Pionierarbeit #1      Rechteckschraffuren / Wechselwirkungen

Frieder Nakes Computergrafik »Rechteckschraffuren« aus dem Jahr 1965 korrespondiert in diesem Blatt mit dem Screenshot der Installation »Wechselwirkungen«. Diese interaktive Installation erarbeitete Frieder Nake auf Grundlage der »Rechteckschraffuren« in Zusammenarbeit mit Lutz Dickmann und Hendrik Poppe.


rechteckschraffuren mit wechselwirkungen 0
aus der Mappe »Die präzisen Vergnügen«:
Frieder Nake:
Rechteckschraffuren / Wechselwirkungen
mit Lutz Dickmann und Hendrik Poppe
Digitaldruck nach Maschinenzeichnung und
Screenshot, 2005

Idee: Frieder Nake, Programm: mit Lutz Dickmann und Hendrik Poppe
Generiert: Rechteckschraffuren, 1965 / Wechselwirkungen, 2004



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 Pionierarbeit #2      Geradenscharen / Fächerung

»Geradenscharen« Frieder Nake, 1965 und »Fächerung« von Frieder Nake mit Philipp Kehl.


geradenscharen mit fächerung 0
aus der Mappe »Die präzisen Vergnügen«:
Frieder Nake:
Geradenscharen / Fächerung
von Frieder Nake mit Philipp Kehl, 2004
Digitaldruck nach Maschinenzeichnung und
Screenshot, 2005

Idee: Frieder Nake, Programm: mit Philipp Kehl
Generiert: Geradenscharen, 1965 / Wechselwirkungen, 2004


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 Pionierarbeit #3      Hommage à Paul Klee / Spannung

»Hommage à Paul Klee« ist das wahrscheinlich bekannteste Werk Nakes, auch bekannt als 13/9/65 Nr.2. Inspiriert von Paul Klees Gemälde »Hauptweg und Nebenwege« (Museum Ludwig, Köln, siehe Wikipedia), programmierte er ein Grafikprogramm mit Hilfe der Software COMPART ER56 für den Großrechner Standard Elektrik Lorenz ER56. Die Maschinenzeichnungen fertigte der legendäre ZUSE-Graphomat Z64.
Für die »Die präzisen Vergnügen« wurde »Hommage à Paul Klee« mit der Arbeit »Spannung« von Frieder Nake, Susanne Grabowski und Matthias Krauß kombiniert. Mehr zu »Hommage à Paul Klee« auf der Website der compart-Datenbank und des V&A
Hier eine Grafik-Variation von »Hommage à Paul Klee« aus dem Jahr 1966:


hommage à paul klee (variation) 0
Frieder Nake:
Hommage à Paul Klee (Variation)
Maschinenzeichnung ZUSE Graphomat Z 64, 1966
Auflage: 100
Rückseitig nummeriert und signiert
generiert: 1965/1966


hommage à paul klee, mit „spannung“ 0
aus der Mappe »Die präzisen Vergnügen«:
Frieder Nake:
Hommage à Paul Klee / Spannung
von Frieder Nake mit Susanne Grabowski und Matthias Krauß, 2004
Digitaldruck nach Maschinenzeichnung und
Screenshot, 2005

Idee: Frieder Nake, Programm: mit Susanne Grabowski und Matthias Krauß
Generiert: Hommage à Paul Klee, 1965 / Spannung, 2004



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 Pionierarbeit #4      Chaos Gestalt Struktur / Unvollendung

»Chaos Gestalt Struktur« Frieder Nake, 1969 und »Unvollendung« von Frieder Nake mit Christoph Brachmann und Romana Walter.


chaos gestalt struktur, mit „unvollendung“ 0
aus der Mappe »Die präzisen Vergnügen«:
Frieder Nake:
Chaos Gestalt Struktur / Unvollendung
von Frieder Nake mit Christoph Brachmann und Romana Walter
Digitaldruck nach Maschinenzeichnung und
Screenshot, 2005

Idee: Frieder Nake, Programm: mit Christoph Brachmann und Romana Walter
Generiert: Chaos Gestalt Struktur, 1969 / Unvollendung, 2004



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 Pionierarbeit #5      25/2/65 Nr.14 (Achsenparalleler Polygonzug)

Die Maschinenzeichnung »25/2/65 Nr.14« entstand am 25. Februar 1965 als vierzehntes Motiv in einer Reihe von Motiven. Von diesem Motiv zeichnete der Zuse-Graphomat 64 eine Edition von 130 Original-Plots.


Achsenparalleler Polygonzug 0
Frieder Nake:
25/2/65 Nr. 14 (Achsenparalleler Polygonzug)
Maschinenzeichnung, 31 x 22,5 cm
Edition: 130

Generiert: 1965
Rechner: ER56 - Standard Elektrik Lorenz
Zeichenmaschine: Zuse-Graphomat 64



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 Pionierarbeit #6      Walk-Through-Raster

Das Motiv »Walk-Through-Raster« gibt es in verschiedenen Variationen, die aus einem Programm stammen (siehe: Dreher). Das Programm und die Zeichnungen zählen zu den frühen Werken Nakes.


Walk-Through-Raster 0
Frieder Nake:
Walk-Through-Raster (Serie 7.3)
Maschinenzeichnung, 1968
Blau, Gelb, Ocker, Grün auf Papier, 49,9 x 49,9 cm (Papier), Motiv ca. 26 x 26 cm
Auflage: 100
nummeriert, signiert
programmiert: 1966

Literatur:
Kunsthalle Bremen: Ex Machina,
Abb. S. 427 Nr. 271


Frieder Nake 0
Frieder Nake:
Walk-Through-Raster (Portfolio-Beitrag »Art ex machina«)
Siebdruck, 1972


Generiert auf IBM 360/65, mit Fortran IV




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 Die präzisen Vergnügen

Der Titel »Die präzisen Vergnügen« ist ein von Max Bense geprägter Begriff. Die präzisen Vergnügen stehen für die Freude des Mathematikers, Philosophen oder Computer-Künstlers an der exakten Beschreibung bzw. Definition eines Kunstwerks in Form eines Algorithmus. Das Bense-Zitat verweist auch auf das gleichnamige, 1964 veröffentlichte Buch von Max Bense mit Texten »künstlicher Poesie«, in denen Bense Sinnlichkeit und Künstlichkeit vereint.


Max Bense: Präzise Vergnügen 0
»Die präzisen Vergnügen«, erschienen 1964 bei Limes Nova.

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 Computers and Automation

Im Jahr 1966 gewann Frieder Nake den ersten Preis des Computerkunst-Wettbewerbs der amerikanischen Fachzeitschift »computers and automation« mit einer Computergrafik aus gleichartigen Rechteck-Figuren, die auf dem Titelbild abgedruckt wurde. Drei weitere Grafiken Nakes, darunter »Hommage à Paul Klee« und eine Variante der »Rechteckschraffuren« sind im Innenteil abgebildet.


computers and automation 0
»computers and automation« August 1966
Hrsg.: Edmund C. Berkeley
abgebildet ist eine Ausgabe
für den russischen Markt

Pdf-Versionen der Zeitschrift sind im Archiv der bitsavers zu finden.


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 zur Person

Frieder Nake
Geb. 1938 in Stuttgart, Studium der Mathematik in Stuttgart. Erste experimentelle Arbeiten am Großrechner 1963, unter dem Einfluss von Max Bense. 1967 (Ph.D.) Doktorarbeit über zufällige Gleichungssysteme. Nake zählt zu den Pionieren der Computerkunst, seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Unter anderem nahm Nake an der Ausstellung Cybernetic Serendipity 1968 in London teil. Seit 2005 lehrt Frieder Nake an der Hochschule für Künste in Bremen im Bereich Digitale Medien. Lebt in Bremen.

Hier Frieder Nakes Vortrag auf dem Eyeo Festival: Frieder Nake

Tipp: Frieder Nake im Interview mit anderen Pionieren und in eine seiner Vorlesung (You Tube-Links).


Die meisten der oben gezeigten »Pionierarbeiten« bzw. die Hauptmotive der Blätter wurden in zahlreichen Ausstellungen zum Thema Computerkunst gezeigt, unter anderem in:
»Cybernetic Serendipity« London, 1968.
»Biennale«, Venedig 1970
»Ex Machina – Frühe Computergrafik bis 1979« Kunsthalle Bremen, 2007
»bit international« ZKM Karlsruhe, 2008 - 2009
»Die präzisen Vergnügen« Kunsthalle Bremen, 2004 - 2005 sowie im ZKM Karlsruhe, 2005

Literaturhinweise:
Ästhetik als Informationsverarbeitung. Frieder Nake (1974)
Computer-Grafik Galerie. Herbert W. Franke (1984)
Ex Machina – Frühe Computergrafik bis 1979. Hrsg. Wulf Herzogenrath und Barbara Nierhoff-Wielk (2007)
A Little-Known Story about a Movement, a Magazine and the Computer´s Arrival in Art: New Tendencies and Bit International. Hrsg. Margit Rosen (2011)
Computergraphik - Computerkunst. Herbert W. Franke (1985)
siehe auch Links & Literatur


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